Elektroschocker mit PTB-Prüfsiegel

Elektroschocker mit PTB

Eine einsame und dunkle Straße auf dem Weg nach Hause. Es ist spät und die Straßen sind menschenleer. Für viele Menschen eine unheimliche Vorstellung, der sie gut gerüstet entgegentreten möchten – vielleicht mit einem Elektroschocker in der Handtasche oder dem Rucksack – einfach für den Fall der Fälle, zur Selbstverteidigung.

Ein Elektroschocker erzeugt auf Knopfdruck eine sehr hohe Spannung, die bis zu zehn Millionen Volt betragen kann. Hierdurch lassen sich Angriffe auf die eigene Person effektiv abwehren – sofern man mit der Technik und der Handhabung des Gerätes vertraut ist. Durch diesen elektrischen Impuls werden Angreifer abgewehrt und zeitweilig außer Gefecht gesetzt, sodass Zeit für die Flucht bleibt. Allein das Zeigen eines Elektroschockers im Falle eines Angriffs wird potenzielle Angreifer in die Flucht schlagen, denn die Entladungsblitze und deren Geräusche haben eine äußerst abschreckende und furchteinflößende Wirkung. Doch was gibt es bei diesen Geräten eigentlich zu beachten und was sind Elektroschocker mit PTB-Zeichen?

Die Prüfanstalt PTB

Beim Begriff PTB handelt es sich um eine Abkürzung, die für die Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit Sitz in Braunschweig und Berlin steht. Es handelt sich hierbei um das nationale Metrologie-Institut in Deutschland. Besondere Bekanntheit konnte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt durch ihre vier Atomuhren erwerben, die für die exakte Zeitangabe hierzulande verantwortlich sind.

Die PTB Zulassung für Waffen

Nach bestandener Prüfung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt erhalten Waffen eine Nummer und finden sich daraufhin in der Zulassungsliste als zugelassene Waffen wieder. Weisen Waffen das PTB-Zeichen auf, dann gelten sie zudem als erlaubnisfrei. Dies wiederum bedeutet, dass für Erwerb und Besitz solcher Waffen kein Waffenschein notwendig ist. Davon unberührt darf eine solche Waffe aber nur von erwachsenen Personen erworben und besessen werden.

Was sind eigentlich PTB-Waffen?

Unter PTB-Waffen sind Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen zu verstehen. In der Regel sind dies Revolver oder Pistolen, die Platzpatronen oder pyrotechnische Ladungen verschießen. Dabei werden jedoch keine Geschosse durch einen Lauf getrieben. Somit gelten sie nicht als Schusswaffen im engeren Sinne, werden diesen aber gleichgestellt.

Um eine Zulassung in Deutschland zu erhalten, müssen diese Waffen mit einem Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt versehen sein. Dies lässt sich durch eine entsprechende Aufschrift „PTB“ plus Prüfnummer im Kreis erkennen. Ohne Prüfzeichen durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt sind diese Waffen in Deutschland ohne Ausnahme verboten.

Elektroschocker mit PTB/ mit Prüfzeichen

Aus dem Waffengesetz ergibt sich, dass nicht jedermann einen Elektroschocker aus Gründen der Selbstverteidigung mit sich führen darf. Zum einen muss die Person mindestens 18 Jahre alt sein und zum anderen muss der Elektroschocker über eine PTB-Kennzeichnung verfügen. Im Sinne des Paragrafen 40 des Waffengesetzes handelt es sich bei einem Elektroschocker grundsätzlich um eine verbotene Waffe in Form eines Elektroimpulsgerätes. Wer es genauer wissen möchte: Elektroimpulsgeräte werden in Anlage 2 zum Waffengesetz unter dem Punkt 1.3.6. explizit genannt.

Anders verhält es sich hingegen, wenn der Elektroschocker über das PTB-Prüfzeichen verfügt. Auch dies ist in der Anlage 2 des Waffengesetzes unter dem Punkt 1.3.6. zu finden. Eine solche Kennzeichnung von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt erhalten jedoch nur Elektroschocker, die als „gesundheitlich unbedenklich“ gelten. Voraussetzung hierfür ist unter anderem, dass sich der Elektroschocker spätestens nach zehn Sekunden abschaltet. Die Dauer ist von der Höhe der jeweiligen Ampere-Zahl des Effektivstroms abhängig.

Wenn der Leser aber nun denkt, er könne Elektroschocker mit PTB-Kennzeichnung jederzeit und überall hin mitnehmen, dann dürfte eine Enttäuschung folgen, denn normalerweise dürfen solche Geräte nicht mit auf öffentliche Veranstaltungen genommen werden, wie sich aus Paragraf 42, Absatz 1 des Waffengesetzes ergibt. Anders sieht es hingegen wiederum aus, wenn dafür eine Ausnahmeerlaubnis erteilt wurde. Dies wird genauer im selben Paragrafen, in Absatz 2 geregelt.

Hält sich eine Person nicht an diese gesetzlichen Vorgaben, droht Ärger. Laut Paragraf 52, Absatz 1, Nummer 1 im Strafgesetzbuch macht man sich in diesem Fall strafbar – übrigens auch dann, wenn der Elektroschocker nicht zum Einsatz kommt. In diesem Fall ist mit einer Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu rechnen.

Anders als oft dargestellt ist für das Führen eines Elektroschockers mit Kennzeichnung von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt kein kleiner Waffenschein notwendig.

Sind PTB-Elektroschocker gefährlich oder gesundheitlich unbedenklich?

Ein Elektroschocker sollte von Privatpersonen niemals zu Angriffszwecken, sondern nur zur Verteidigung eingesetzt werden. Die Absicht beim Einsatz eines solchen Gerätes kann also nur sein, einen Angriff abzuwehren und den Angreifer temporär unschädlich zu machen, ihm aber keine ernsten Verletzungen zuzuführen oder ihn gar zu töten.

Sofern Elektroschocker über das PTB-Zeichen verfügen, gelten sie zwar als „gesundheitlich unbedenklich“, was jedoch nicht bedeutet, dass sie harmlos sind oder dass von ihnen keine Gefahren ausgehen. Abhängig von der Art der Anwendung kann es beim Betroffenen zu schweren Verletzungen und starken Schmerzen kommen. Der Einsatz von Elektroschockern „aus Spaß“ ist daher auf jeden Fall zu vermeiden. Andernfalls begeht man eine Straftat gemäß Paragraf 224 im Strafgesetzbuch – Stichwort: gefährliche Körperverletzung. Der Einsatz eines Elektroschockers ist nur aus Gründen der Selbstverteidigung erlaubt – etwa, wenn man sich auf Notwehr gemäß Paragraf 32, Strafgesetzbuch berufen kann.

Elektroschocker ohne PTB/ ohne Prüfzeichen

Grundsätzlich ist der Umgang mit Elektroimpulsgeräten seit dem Jahr 2011 lediglich erlaubt, wenn diese ein Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen. Entschließt man sich zum Erwerb eines solchen Gerätes, ist also darauf zu achten, dass dieses ein entsprechendes Prüfzeichen trägt, um Probleme mit der Justiz zu vermeiden. Dieses Vorgehen wird auch vom Bundeskriminalamt empfohlen.

Sollte eine Privatperson im Besitz eines Altgerätes sein, das vor dem Jahr 2011 nachweislich erworben wurde, ist der weitere Besitz zwar erlaubt, ein Mitführen des Gerätes hingegen nicht. Möchte man ein solches Gerät verkaufen, dann ist eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, die das Bundeskriminalamt nach Einzelfallprüfung erteilen kann (aber nicht muss).

Letzte Aktualisierung am 16.11.2019 um 19:35 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API