Pfefferspray Test

Pfefferspray – eine sehr verbreitete Form der Selbstverteidigung

Pfefferspray zĂ€hlt neben den Elektroschockern zu den populĂ€rsten Mitteln, die zur Selbstverteidigung genutzt werden. Die GrĂŒnde dafĂŒr liegen zum einen in der hohen Wirksamkeit, die zugleich keine dauerhaften SchĂ€den hinterlĂ€sst. So gebraucht auch die Polizei das Pfefferspray als ein wirksames und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸiges Mittel bei ihrer Arbeit. Zum anderen sind die SprĂŒhdosen kompakt, handlich und erfordern nur relativ wenig Übung. In Deutschland sind sie zumeist zur Tierabwehr legal und dĂŒrfen in Notwehr auch gegen menschliche Angreifer verwendet werden. Wie effektiv das Pfefferspray in einer brenzligen Situation tatsĂ€chlich ist, hĂ€ngt allerdings auch stark vom Anwender selbst ab.

Was genau ist Pfefferspray?

Als Pfefferspray werden SprĂŒhdosen bezeichnet, die einen Reizstoff zur Abwehr von Angreifern enthalten. Der Wirkstoff Capsaicin ist ein pflanzliches Reizmittel, das in unterschiedlichen Chili- und Paprikasorten vorkommt. Der Name selbst ist irrefĂŒhrend, da ein Pfefferspray keineswegs Pfeffer – also Anteile von PfeffergewĂ€chsen – enthĂ€lt. Das englische „pepper“ kann sowohl Pfeffer als auch Paprika bedeuten, sodass der Name Pfefferspray wohl auf einen Übersetzungsfehler beruht.

Die reizende Wirkung setzt unmittelbar ein und gilt fĂŒr SĂ€ugetiere generell. Deshalb wird das Pfefferspray auch zur Abwehr von Hunden oder Wildtieren verwendet. In den USA beispielsweise wird es sogar zur Abwehr von BĂ€ren genutzt. In Deutschland wird das fĂŒr jedermann legal zugĂ€ngliche Pfefferspray als Mittel zur Tierabwehr verkauft. Der Gebrauch gegen menschliche Angreifer ist im Falle einer Notwehrsituation allerdings erlaubt. Inzwischen gibt es viele verschiedene Anbieter und neben FachgeschĂ€ften sowie dem Onlinehandel gibt es auch DrogeriemĂ€rkte, die Pfefferspray zum Kauf anbieten. Dennoch gilt Pfefferspray, das nicht zur Tierabwehr gedacht ist, als Waffe, die dem Waffengesetz unterliegt.

Weltweit – und seit 2000 auch in Deutschland – ist Pfefferspray Bestandteil der PolizeiausrĂŒstung und wird von Polizisten als milderes Zwangsmittel im Vergleich zum Schlagstock oder gar zur Schusswaffe genutzt.

Die Wirkung

Der Reizstoff Capsaicin wirkt auf SĂ€ugetiere reizend im wahrsten Sinne des Wortes: Betroffene Körperregionen erfahren unmittelbar eine Überreizung, was zu einer starken, aber in der Regel kurzfristigen BeeintrĂ€chtigung der Funktionen fĂŒhrt. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass die Wirkung innerhalb weniger Sekunden einsetzt und prinzipiell keinen dauerhaften Schaden verursacht. Konkret bedeutet das:

  • fĂŒr die Augen: ein brennender, großer Schmerz, wobei die SchleimhĂ€ute anschwellen, was zu einem unmittelbaren Schließen der Augenlider fĂŒr etwa fĂŒnf bis zehn Minuten fĂŒhrt.
  • fĂŒr die Atmung: gelangt das Pfefferspray in die Atemwege, fĂŒhrt es zu Husten und auch zu vorĂŒbergehender Atemnot.
  • fĂŒr die Haut: die betroffenen Stellen brennen, fĂŒr bis zu 40 Minuten kann es zu einem Juckreiz kommen, außerdem können Schwellungen auftreten.

Der Wirkstoff Capsaicin hat also, sofern er das Gesicht eines Angreifers erreicht, eine unmittelbare Mannstoppwirkung. Entscheidend ist dafĂŒr die Art und Konzentration des Pfeffersprays sowie der effektive Gebrauch.

TodesfÀlle und Wechselwirkungen

Allgemein hĂ€ngt das Ausmaß der Wirkung von der Menge des Wirkstoffes ab, dem die betroffenen Körperregionen ausgesetzt sind. Außerdem spielt der körperliche Zustand ebenfalls eine Rolle. Bei Asthmatikern oder Personen mit Herz- oder Kreislaufbeschwerden etwa besteht ein erhöhtes Risiko. So kann zu viel Capsaicin in den Atemwegen zu Erstickung fĂŒhren. Generell gibt es einige TodesfĂ€lle durch Pfefferspray und auch FolgeschĂ€den sowie lĂ€ngere Nachwirkungen.

Dazu kommen diverse Wechselwirkungen mit Drogen und Psychopharmaka. Insbesondere in Verbindung mir Kokain besteht eine erhöhte Todesgefahr. Außerdem gibt es FĂ€lle, bei denen auch eine tödliche Wechselwirkung von dem Capsaicin mit Beruhigungsmitteln und anderen Psychopharmaka stattgefunden hat.

Die Anwendung

Die unkomplizierte und rasche Anwendungsmöglichkeit des Pfeffersrpays trĂ€gt ganz maßgeblich zu seiner weiten Verbreitung bei. Es handelt sich um eine SprĂŒhdose, die auch ganz genauso benutzt wird. Bei den gĂ€ngigsten Modellen wird die Dose in der Hand gehalten und mit dem Daumen der SprĂŒhknopf betĂ€tigt. Diese Handhabung ist relativ intuitiv und leicht verstĂ€ndlich und erfordert keine spezielle Technik. Trotzdem ist es notwendig, sich vor einer etwaigen Anwendung mit dem Gebrauch vertraut zu machen. Je nach Art des SprĂŒhknopfes ist auch etwas mehr Übung notwendig. Die handelsĂŒblichen Modelle haben eine Reichweite von etwa 1,5 bis 5 Metern. Die Dosen selbst stehen unter Druck und mĂŒssen vor direkter Sonneneinstrahlung sowie vor Temperaturen von ĂŒber 50 °C geschĂŒtzt werden, da andernfalls Explosionsgefahr besteht. Es gibt außerdem Modelle mit der Form einer Pistole, bei denen der SprĂŒhknopf als Pistolenabzug konstruiert ist, sodass man sie auch entsprechend verwenden kann.

SprĂŒhstrahl oder SprĂŒhnebel

GrundsĂ€tzlich gibt es fĂŒr private Anwender Modelle, die einen SprĂŒhstrahl absondern und Modelle, die einen SprĂŒhnebel absondern. Der Unterschied besteht dabei primĂ€r in dem Radius, der durch das SprĂŒhen getroffen wird. So deckt der SprĂŒhnebel einen grĂ¶ĂŸeren Radius ab als der konzentriertere Strahl und fĂŒhrt damit zu einer höheren Trefferwahrscheinlichkeit. Da Notsituationen immer auch mit Panik einhergehen können, ist es ein großer Vorteil, nicht so genau zielen zu mĂŒssen. Außerdem eignet sich ein Nebel auch besser gegen mehrere Angreifer. Die Kehrseite wiederum besteht darin, dass weniger gezielt gesprĂŒht werden kann, wodurch eine grĂ¶ĂŸere Verletzungsgefahr fĂŒr Dritte bestehen könnte. Außerdem ist bei windigem Wetter – und vor allem im Falle von Gegenwind – der SprĂŒhnebel mitunter nicht effektiv einsetzbar. Im schlimmsten Fall kann der Gegenwind den SprĂŒhnebel auch zum Anwender zurĂŒcktragen, wĂ€hrend der SprĂŒhstrahl windbestĂ€ndiger ist.

Wichtig ist bei der Wahl, die eigenen individuellen UmstĂ€nde zu berĂŒcksichtigen. Der Umgang mit dem Pfefferspray erfordert zwar keine langwierige Übung – grundsĂ€tzlich geĂŒbt werden muss er aber dennoch. Außerdem sollte eine etwaige Panik in einer Bedrohungssituation nicht unterschĂ€tzt werden. Deswegen wird oftmals fĂŒr Privatpersonen eher der SprĂŒhnebel empfohlen, weil er am wenigsten Zielgenauigkeit erfordert.

Die juristische Lage

Juristisch gibt es in Deutschland zwei verschiedene Kategorien an Pfeffersprays: die ReizstoffsprĂŒhgerĂ€te im Sinne des Waffengesetzes und das Tierabwehrspray.

Die ReizstoffsprĂŒhgerĂ€te gelten als Waffen und mĂŒssen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt geprĂŒft und zugelassen werden. Ein wesentliches Kriterium neben einer bestimmten SprĂŒhdauer und SprĂŒhmenge ist dabei die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Einsatzes. Sie erfordern keinen Waffenschein und können von jeder Person ĂŒber 14 Jahre erworben werden. Die Polizei verwendet ebenfalls diese ReizstoffsprĂŒhgerĂ€te, allerdings spezielle Modelle, die auf dem freien Markt fĂŒr den Privatanwender nicht erhĂ€ltlich sind. Die als „Tierabwehrspray“ klassifizierten Pfeffersprays hingegen sind fĂŒr jedermann erhĂ€ltlich und unterliegen nicht dem Waffengesetz und auch nicht der Kontrolle der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Die Anwendung zur Verteidigung im Sinne von Notwehr ist rechtlich bei beiden Varianten erlaubt. Allerdings gilt die Anwendung von Pfefferspray gegen einen Menschen prinzipiell als gefĂ€hrliche Körperverletzung. Notwehr ist ein anerkannter Rechtfertigungsgrund fĂŒr den Einsatz, nur muss dafĂŒr eben auch explizit eine Notwehrsituation vorliegen.

Das Pfefferspray in der Praxis

GrundsĂ€tzlich kann Pfefferspray ein wirksames Mittel zur Verteidigung sein, sofern es richtig angewandt wird. DafĂŒr ist es wichtig, sich mit dem Pfefferspray vertraut zu machen und am besten auch ein wenig zu ĂŒben. Es gibt dafĂŒr spezielle Übungsmodelle oder auch Trainingskurse. Je höher die Vertrautheit mit dem Pfefferspray ist – das heißt, je intuitiver der Gebrauch geschieht – desto eher kann es auch erfolgreich bei Panik in einem Notfall angewandt werden. Außerdem ist es wichtig, das Pfefferspray griffbereit zu haben und sich des Windes bewusst zu sein. Bei zu starkem Wind kann die Anwendung von manchen Modellen beeintrĂ€chtigt werden.

Ein anderer positiver Effekt ist das erhöhte SicherheitsgefĂŒhl, das sich beim MitfĂŒhren des Pfeffersprays einstellen kann. Dieses wiederum kann zu einem erhöhten Selbstbewusstsein fĂŒhren, das auch nach außen ausgestrahlt wird und potentielle Angreifer abschrecken könnte. Als Abschreckung kann das Pfefferspray in der Hand ebenfalls fungieren, sodass es gar nicht erst zum Einsatz kommen muss. Kritiker – wie etwa die Gewerkschaft der Polizei – warnen allerdings davor, dass es auch zu einem falschen SicherheitsgefĂŒhl fĂŒhren könnte, wodurch Situationen nicht mehr gemieden werden, die besser gemieden werden sollten.

Wichtig wĂ€re es also, das Pfefferspray als ein Hilfsmittel zur Selbstverteidigung zu betrachten, das in einem Gesamtkontext aus der richtigen Einstellung, Aufmerksamkeit und auch Vernunft eingebettet sein muss. Selbstverteidigung beginnt nicht erst mit dem Einsatz von Pfefferspray. Mit dem Bewusstsein darum kann es allerdings durchaus eine sinnvolle Maßnahme sein.

Letzte Aktualisierung am 15.11.2019 um 03:47 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API