Kubotan Test: Selbstverteidigungsstifte – wehrhafte Schlüsselanhänger und Kugelschreiber?

Der Kubotan ist ein beliebtes und auch effektives Mittel zur Selbstverteidigung, da der kleine Stock mobil und unscheinbar ist, zugleich aber sehr effektiv sein kann. Er wurde von einem Kampfkünstler speziell als Selbstverteidigungsmittel entwickelt. Eine besonders beliebte Variante stellt der Selbstverteidigungsstift (Tactical Pen) dar, der Kugelschreiber und Nahkampfwaffe in einem ist. Im Notfall kann ein Kubotan ein äußerst effektives Mittel sein, einen Angreifer abzuwehren oder auch auszuschalten. Der Umgang erfordert allerdings einige Übung.

Was ist ein Kubotan?

Der Kubotan ist eine Nahkampfwaffe, die in verschiedenen Kampfkünsten als Mittel zur Selbstverteidigung eingesetzt wird wie etwa im Karate, Ju-Jutsu, Krav Maga oder Modern Arnis. Dabei handelt es sich um einen ungefähr 13 bis 15 cm langen Stock aus Metall, Kunststoff oder Holz, der ursprünglich als Schlüsselanhänger entworfen wurde. In der Regel hat er einen geriffelten Griff, sodass er gut in der Hand liegt und steht, wenn er in der Faust gehalten wird, sowohl oben als auch unten ein wenig über. Manche Modelle sind an diesen Enden auch zugespitzt. Er kann als Schlag- oder Druckverstärker dienen und es gibt verschiedene Schlagtechniken, mit denen die überstehenden Enden des Stockes in der Faust eingesetzt werden können.

Entwickelt wurde der Kubotan von dem Kampfkünstler Takayuki Kubota, der ihn als Nahkampfwaffe für Polizistinnen in Los Angeles entworfen hatte. Diese Modelle können als Schlüsselanhänger fungieren und sind somit immer greifbar. Mit verschiedenen Schlagtechniken kann ein Angreifer rasch unschädlich gemacht werden.

Was ist ein Selbstverteidigungsstift?

Der Selbstverteidigungsstift (oder auch Tactical Pen) ist ein dem Kubotan nachempfundener Stift. Er funktioniert vom Prinzip her wie der Kubotan, bietet jedoch zugleich auch einen Kugelschreiber. Manche Modelle verfügen zudem über weitere Extras wie einen Glasbrecher. Während der Kubotan als unscheinbarer Schlüsselanhänger getragen werden kann, dient der Selbstverteidigungsstift auch tatsächlich als Stift und ist somit noch ein Stück unscheinbarer.

Die verschiedenen Typen

Inzwischen gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Typen von Kubotans. In manchen Kampfkünsten wird das Verwenden von diversen Alltagsgegenständen als Mittel zur Selbstverteidigung gelehrt und das Prinzip des Kutobans spielt dabei für viele potentielle Gegenstände ein zentrale Rolle. Die spezifisch zur Selbstverteidigung gefertigten Modelle können sowohl in Fachgeschäften als auch im Onlinehandel frei erworben werden.

Klassischer Kubotan

Der klassische Kubotan ist als Schlüsselanhänger konstruiert, hat einen geriffelten Griff und ein zugespitztes Ende. Übungsversionen hingegen verfügen über ein abgerundetes Ende. Daneben gibt es allerdings auch Varianten, bei denen beide Enden zugespitzt sind und Griff, Größe sowie Dicke können variieren. Eine spezielle Variante ist die Mischform von Kubotan und Pfefferspray. Hier verfügt der Kubotan über eine austauschbare Pfefferspraykartusche und kann somit auch als Pfefferspray eingesetzt werden.

Eine weitere Abwandlung stellt der Koppo dar, der mit einer Schlaufe versehen ist. Durch diese können zwei der mittleren Finger gesteckt werden, was den Vorteil bietet, dass der Kubotan auch beim Öffnen der Hände nicht verloren geht. Dies bietet einem geübten Verteidiger zusätzliche Möglichkeiten, da er so auch rasch die Hand zum Greifen benutzen kann.

Selbstverteidigungsstift

Bei den Selbstverteidigungsstiften gibt es noch wesentlich mehr an unterschiedlichen Varianten als bei den klassischen Kubotans. Bereits hinsichtlich der Funktion als Stift können die verschiedenen Modelle stark variieren. Manche Modelle verfügen über eine abnehmbare Kappe für den Stift, während andere wie der klassische Kugelschreiber funktionieren. Auch in der Griffigkeit und bezüglich der Form gibt es große Unterschiede. Zudem verfügen viele Modelle über einen Glasbrecher, der auch bei diversen Unfällen zum Einsatz kommen kann.

Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten

Der Kubotan ist eine Nahkampfwaffe und bietet sehr viele Anwendungsmöglichkeiten. Es gibt verschiedene Grifftechniken und daraus resultierend ein großes Arsenal unterschiedlicher Techniken für unterschiedliche Zwecke:

Als Schlagverstärkung kann der Kubotan auch körperlich schwächeren Menschen erlauben, einen starken Schlag zu führen. Für den geübten Anwender bieten sich verschiedene besonders anfällige Stellen des menschlichen Körpers als Ziel an, bei denen ein Treffer rasch zur Kampfunfähigkeit führen kann. Allerdings löst ein Treffer mit dem spitzen Kubotan auch auf anderen Stellen einen großen Schmerz aus. Je nach Bedrohungssituation kann der komplette Körper des Angreifers das Ziel sein.

Drucktechniken dienen vor allem zur Befreiung, wenn die Bewegungsfreiheit durch den Angreifer eingeschränkt ist (etwa durch eine Umklammerung, durch Würgen oder durch ein Festhalten). Hier wird gezielt auf Vitalpunkte geschlagen, was bei richtiger Ausführung hochgradig effektiv ist. Je nach Vitalpunkt kann ein Treffer zu einem Kraftverlust, großem Schmerz oder sogar zu Bewusstlosigkeit führen. Zudem kann er auch bleibende Schäden verursachen.

Mit den Hebeltechniken kann der Angreifer kontrolliert werden. Der Kubotan dient dabei als Widerlager für die Hebelkraft. Ein Angreifer kann somit fixiert oder auch abgeführt werden.

Die rechtliche Situation

Kubotans und auch die Selbstverteidigungsstifte gelten in Deutschland nicht als Waffen und unterliegen keinerlei Verboten, was den Besitz oder das Mitführen angeht. Juristisch besteht theoretisch kein Unterschied zu einem Schlüsselanhänger oder einem gewöhnlichen Stift. Davon abgesehen gelten die gesetzlichen Regelungen zur Notwehr: Zur Selbstverteidigung darf der Kubotan eingesetzt werden, sofern die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird.

Die gesetzliche Lage kann in anderen Ländern allerdings variieren. So zählen Kubotans in der Schweiz zu den verbotenen Waffen. Es ist also in jedem Fall ratsam, sich diesbezüglich vor einer Reise über die jeweiligen Landesgesetze zu informieren.

Der Kubotan in der Praxis

Der Kutoban kann ein äußerst effektives Mittel zur Selbstverteidigung sein. Er wurde von einem Meister der Kampfkünste entwickelt, um Polizistinnen für den Notfall eine zusätzliche, effektive Waffe zu bieten. In vielen Kampfkünsten wird der Umgang mit dem Kubotan trainiert, sodass er definitiv eine effiziente Waffe sein kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist seine Unscheinbarkeit und die damit verbundene hohe Mobilität. Ob als Schlüsselanhänger oder als Stift kann er – zumindest in Deutschland – jederzeit von jedermann überall mit hingenommen werden. Zugleich fällt er auch potentiellen Angreifern nicht sofort auf, was möglicherweise einen Überraschungsvorteil bieten könnte. Das impliziert allerdings auch, dass er nahezu kein Abschreckungspotential besitzt, was für die Selbstverteidigung im weiteren Sinne ein wichtiger Punkt ist.

Im Grunde genommen handelt es sich bei dem Kubotan (und auch bei der Abwandlung als Selbstverteidigungsstift) eher um eine Waffe als um ein spezielles Mittel zur Selbstverteidigung. Das bedeutet, dass er nahezu ausschließlich zur Selbstverteidigung im engeren Sinne – also bei einem ernsthaften körperlichen Angriff – dient und nicht bereits im Vorfeld die Möglichkeit zur Abschreckung bietet. Außerdem ist er je nach Gebrauch ein äußerst rabiates Mittel, bei dem die durch Notwehr gedeckte Verhältnismäßigkeit rasch überschritten werden kann. Je nach Intensität und je nach Vitalpunkt kann ein Treffer auch zum Tod führen.

Viel entscheidender ist allerdings, dass der Umgang mit dem Kubotan Übung und auch Entschlossenheit benötigt. Es handelt sich bei ihm um eine Nahkampfwaffe, die zudem lediglich in einer über die eigenen Faust ragenden Spitze besteht. Der Gebrauch erfordert also auch eine gewisse Bereitschaft zur direkten Gewalt. Außerdem muss der Umgang mit dem Kubotan geübt werden und zwar permanent und unter möglichst realistischen Bedingungen. Die Reaktion in einer bedrohlichen Stresssituation lässt sich aber dennoch nicht kalkulieren.

Schlussendlich ist der Kubotan als alleiniges Mittel zur Selbstverteidigung eher etwas für körperlich trainierte Menschen, die vielleicht auch beruflich mit körperlichen Auseinandersetzungen zu tun haben oder eben für Kampfsportler. Begreift man Selbstverteidigung allerdings etwas umfassender, gilt auch hier, dass man sich somit viele Möglichkeiten nimmt, im Vorfeld durch Abschreckung zu agieren. Der Kubotan ist gewissermaßen nur ein letztes Mittel. Als solches allerdings könnte er durchaus auch für jeden eine Möglichkeit sein. Im Falle einer Umklammerung oder bei einem Würgen könnte der greifbare Schlüsselanhänger oder Stift tatsächlich eine Rettung sein. In Verbindung mit anderen Mitteln – wie etwa dem Pfefferspray – kann der Kubotan also eine sinnvolle, ergänzende Maßnahme zur Selbstverteidigung sein.

Letzte Aktualisierung am 14.11.2019 um 13:30 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API