Elektroschocker gegen Hunde einsetzen – zu Abwehr und Verteidigung?

Elektroschocker gegen Hunde einsetzen – im Notfall der richtige Weg?

Aggressive Hunde sind eine ernstzunehmende Gefahr für Mensch und Tier. Nicht selten reißen Hunde, die unter Stress stehen, sich los und beschützen instinktiv ihr Revier oder ihr Rudel. Aus Angst vor bissigen Hunden führen viele Menschen Elektroschocker oder Pfefferspray mit sich. Doch welches Mittel zur Selbstverteidigung ist in welcher Situation erlaubt? Eine kurze Übersicht zeigt, welches Verhalten in Gefahrensituationen angebracht ist und wann Sie Elektroschocker gegen Hunde einsetzen dürfen.

Das Wichtigste zuerst: Schätzen Sie Gefahrensituationen richtig ein!

Gerade bei großen Hunden wird freundliches Heranstürmen oft als Angriff fehlinterpretiert und Passanten werden durch Überreaktionen selbst zur Gefahr. Um spielerisches Bellen und Dominanzverhalten von echter Verletzungsabsicht zu unterscheiden, achten Sie genau auf die Gesten und die Körperhaltung des fremden Hundes. Der Einsatz von Gewalt durch Schläge, Tritte oder Waffen zur Selbstverteidigung ist nur im äußersten Notfall angebracht! Schätzen Sie den fremden Hund als ernstzunehmend aggressiv ein, versuchen Sie ihn zunächst durch Rufen, laute Geräusche und das Hochreißen der Arme zu vertreiben.

Den Ernstfall vermeiden: So reagieren Sie richtig, wenn ein aggressiver Hund sich nähert

  • Versuchen Sie, den angreifenden Hund mit Drohgebärden und lauten Geräuschen zu ängstigen. Rufen Sie laut „Hau ab!“ und machen Sie sich besonders groß.
  • Haben Sie einen Hund dabei, lassen Sie die Leine los und ermöglichen Sie ihm die Flucht. Kleine Hunde nicht hochnehmen! Das kann unter Umständen lebensgefährlich für Hund und Halter werden.
  • Nicht wegrennen! Schäferhunde mit Hüteinstinkt und Jagdhunde werden dadurch weiter angestachelt. Schützen Sie im Ernstfall Ihren Körper mit den Armen und Händen.
  • Waffen und körperliche Gewalt sollten das letzte Mittel zur Selbstverteidigung sein.

Welche Mittel sind zur Selbstverteidigung erlaubt?

Viele Polizeistellen raten verängstigten Bürgern dazu, aggressive Hunde mit Pfefferspray abzuwehren. Diese Methode der Hundeabwehr bringt jedoch einige Risiken mit sich: Wer ungeübt im Umgang mit der handlichen Waffe ist, könnte sich selbst oder seinen eigenen Hund treffen und die Situation so noch verschlimmern. Auch Fußtritte auf den Körper machen den Hund und seinen Halter nur noch aggressiver und heizen die Situation weiter an, ganz zu schweigen vom großen Verletzungsrisiko für das Tier. Mit gezielten Schlägen auf die Nase können Sie einen Hund eventuell auch ohne Hilfsmittel aus seiner verbissenen Haltung lösen und in die Flucht schlagen. Das Mitführen von Tasern und Elektroschockern ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt:

Welche Elektroschocker dürfen gegen Hunde eingesetzt werden?

  • Nur Elektroschocker mit einem PTB Prüfsiegel dürfen in Deutschland mitgeführt werden. Das Siegel stellt sicher, dass der Schocker zuverlässig funktioniert und keine Schwankungen in der Stromstärke auftauchen.
  • Handgeräte mit kurzen Metallpfeilen dürfen zur Selbstverteidigung mitgeführt werden. Das gilt jedoch nicht für öffentliche Veranstaltungen ( § 42 Abs. 1 WaffG).
  • Elektroschocker in Form eines Stabs gilt in Deutschland als Angriffswaffe und sind deshalb gänzlich verboten.
  • Taserpistolen werden derzeit nur von Spezialeinheiten der Polizei genutzt. Privatnutzer dürfen die Waffen nicht mitführen.
  • Elektroschocker-Taschenlampen gelten in Deutschland als getarnte Waffen und sind deshalb ebenfalls verboten. In Österreich dürfen sie käuflich erworben werden.
  • Empfehlenswert für die Hundeabwehr sind sogenannte Viehtreiber mit einer geringeren Spannungshöhe. Das setzt einen wildgewordenen Hund nicht unbedingt außer Gefecht, kann aber reichen, um verbissene Hunde zu trennen oder aggressive Tiere effektiv zu vertreiben.
  • In der Schweiz sind Elektroschocker und Taser zur Selbstverteidigung generell verboten. Viehtreiber dürfen jedoch genutzt werden und gelten nicht als Waffen.

Eine grenzwertige Sache: Hundeabwehr mit Elektroschocker

Hat sich ein aggressiver Hund verbissen oder ist seine Verletzungsabsicht eindeutig, wird die Situation lebensgefährlich für alle Beteiligten. Der Einsatz von Elektroschockern ist auch bei Menschen umstritten: Die Schocks können fatale Herzrhythmusstörungen auslösen, oder getaserte Personen erleiden beim Sturz tödliche Verletzungen. Selbst große Hunde werden durch das Tasern vollkommen außer Gefecht gesetzt und erleiden starke Schmerzen. Mittelgroße und kleine Hunde sind noch gefährdeter; ein Herzanfall während des Taserns ist bei Tieren unter 50 cm Widerristhöhe zu erwarten. Einen Taser gegen einen zwickenden Dackel einzusetzen wäre also ohne Frage Tierquälerei! Zum Taser sollte nur gegriffen werden, wenn Menschen oder andere Tiere ernsthaft verletzt werden könnten.